Entstehung Rieskrater

Vor 14,5 Millionen Jahren rast ein etwa 1 km großer kosmischer Körper (Asteroid), begleitet von einem 150 m großen Trabanten, auf die Erde zu (Grafik 1). Beide schlagen mit einer Geschwindigkeit von über 70.000 km/h auf der Albhochfläche ein und erzeugen zwei Krater mit Durchmessern von 25 und 4 km: Das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken.



Am Einschlagspunkt entsteht ein Druck von mehreren Millionen bar und eine Temperatur von mehr als 20 000 ˚C (Grafik 2): Der Asteroid und ein Teil der getroffenen Gesteine werden verdampft und aufgeschmolzen. Eine Druckfront (Stoßwelle) rast mit Überschall durch das tiefer liegende Gestein (Grafik 3), verändert es und führt zur Bildung von Hochdruckmineralen wie Coesit, Stishovit und Diamant. In den ersten Sekunden nach dem Einschlag entsteht eine Kraterhohlform, die eine Tiefe von 4,5 km
(Grafik 4) erreicht. Die ausgeschleuderten Gesteinsmassen bilden eine geschlossene Auswurfsdecke (Bunte Trümmermassen), die
bis zu einer Entfernung von 50 km reicht. Gleichzeitig schießt eine heiße Glutwolke über dem Krater in die hohe Atmosphäre. Der tiefe Krater besteht nur einige Sekunden lang.

Der Kraterboden, in dem kristalline Gesteine des Grundgebirges freigelegt sind, wölbt sich im Kraterinnern auf (Grafik 5). Gleichzeitig rutschen vom steilen Kraterrand Gesteinsschollen ab und vergrößern den Krater, so dass der ursprüngliche Kraterrand immer undeutlicher wird. Der Krater kollabiert und wird flacher. Nach wenigen Minuten sind alle Gesteinsbewegungen beendet. Die Glutwolke fällt in sich zusammen und lagert sich als heiße, mehrere 100 m mächtige Gesteinsmasse – Suevit genannt – im Krater und in isolierten Bereichen außerhalb des Kraters ab (Grafik 6).

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Ries durch den Einschlag eines Asteroiden entstanden. Ein Asteroid wird im allgemeinen Sprachgebrauch oft und nicht ganz korrekt als „Meteorit“ bezeichnet. Deshalb wird in unseren Ausführungen zuweilen von einem Meteoriten die Rede sein.



Phase 1: 35 Millisekunden vor dem Einschlag



Phase 4: Entstehung des tiefen „Primärkraters“ nach etwa 10 Sekunden



Phase 2: 10 Millisekunden nach dem Einschlag



Phase 5: Kollaps des „Primärkraters“ und Ablagerung der Auswurfsmassen nach 1 Minute



Phase 3: Beginn der Kraterbildung nach 60 Millisekunden



Phase 6: Ende der Kraterbildung und Ablagerung des Suevits nach 10 Minuten

Weitere Themen:



Der Rieskrater wird zum Salzsee

Der Innere Kraterring stellt die Reste des ursprünglichen Kraterrandes dar. Die Rutschmassen liegen als riesige Blöcke (Megablöcke) zwischen dem Inneren Kraterring (Kristalliner Wall) und dem Äußeren Kraterrand. Der Einschlag löscht alles Leben im Umkreis von mehr als 100 km aus und verändert die Landschaft nachhaltig. Nach dem Einschlag bildet sich im abflusslosen Kraterbecken schrittweise ein nährstoffreicher Salzsee, aus dem sich Ölschiefer und Tone absetzen. An seinem Ufer und an den Untiefen des Kristallinen Walls entstehen dagegen dolomitische Grünalgenriffe, kalkige Absätze von Quellen und fossilreiche Kalksande.


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