Geologie
Gesteine des Rieskraters
Bunte Trümmermassen (Bunte Breccie)

Bei der Bildung des Kraters wurde Gestein zertrümmert (brecciiert), ausgeschleudert und außerhalb des Kraters als chaotisches Gemenge von Bruchstücken abgelagert. Da diese aus unterschiedlichen Gesteinsformationen stammen, die verschiedene Farben aufweisen, erscheinen die Trümmermassen bunt. Daher der Name „Bunte Breccie“.

 

Die Anteile der Gesteinsbruchstücke in den Bunten Trümmermassen, die aus verschieden tief gelegenen Gesteinsformationen des Krateruntergrundes stammen, ändern sich von Ort zu Ort sehr stark, ebenso wie ihre Korngröße, die von feinem Staub bis zu kilometergroßen Blöcken reicht. Aus größter Tiefe stammen graue bis rötliche Bruchstücke des kristallinen Grundgebirges (Granite, Gneise, Amphibolite). Gesteinsbrocken aus der oberen Trias (Feuerletten, Burgsandstein) verleihen den Trümmermassen eine rötliche und weißgraue Färbung. Zusammen mit verschiedenen Gesteinen des Jura (schwarzgraue Tone, beigefarbene Eisensand-steine, helle Kalksteine) und Sanden aus der frühen Tertiärzeit sorgen sie für ein reges Farb-spiel. Die Beanspruchung der Gesteine durch hohe Drucke und Temperaturen sind deutlich niedriger als beim Suevit, der als „heiße“ Schicht über den „kalten“ Bunten Trümmermassen abgelagert wurde.

Bunte Trümmermassen Weißjura (Malm) Keuper (Obere Trias)
quartäre Sedimente Braunjura (Dogger) Ries-See-Sedimente (Tertiär)
Suevit Schwarzjura (Lias)  


Glasbombe aus dem Suevit von Otting



Impaktdiamant aus dem Ries

Suevit

Die kosmische Katastrophe schuf ein neues Gestein: den Suevit (von suevia, lateinisch = Schwaben). Der Suevit ist ein Trümmergestein (Breccie), das überwiegend aus Bruchstücken von Graniten und Gneisen (Grundgebirge) und aus Fetzen von aufgeschmolzenem Grundgebirge besteht. Der Suevit hat sich gebildet, als die Glutwolke über dem Krater zusammenbrach.

 

Die Gesteine im Suevit weisen sehr verschiedene Grade der Druck- und Temperaturbeanspruchung („Stoßwellenmetamorphose“) auf. Das Besondere am Suevit sind die „Glasbomben“ (sog. Flädle), die vollständig aufgeschmolzenes Grundgebirge darstellen. Durch die Untersuchung des Suevits wurde im Jahr 1960 das Rätsel der Riesentstehung gelöst. Im Suevit wurden die Hochdruckvarianten von Quarz, die Minerale Coesit und Stishovit, und Diamant entdeckt, die typisch für Impaktgesteine sind. Diese Hochdruckminerale gelten als „Fingerabdrücke“ des kosmischen Körpers. Der Begriff Suevit wird heute für entsprechende Ge-steine in allen Einschlagskratern, sowohl auf der Erde als auch auf dem Erdmond, verwendet.



Edward Chao (links) und Eugene Shoemaker (rechts), die Entdecker des Ries-Impaktkraters

Suevit in Kontakt mit Bunter Breccie im Steinbruch Aumühle bei Oettingen

Kontakt Bunte Breccie zum anstehenden Weißjurakalk (Malm) im Steinbruch Gundelsheim

Suevit in Kontakt mit bewegten Weißjurakalken im Steinbruch Altenbürg

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Geologische Besonderheiten

Geologische Aufschlüsse und Steinbrüche stellen die Mehrheit der geologischen Besonderheiten des Geoparks Ries dar. 151 dieser didaktisch wertvollen Naturschöpfungen finden sich im Geopark Ries, darunter zählen 5 Geotope sogar zu den 100 schönsten in Bayern. Eine Übersicht aller Geotope erhalten sie in der Kartendarstellung, Genauere Beschreibungen der jeweiligen geologischen Besonderheiten sowie deren exakte Lage im Gelände können Sie sich anzeigen lassen, indem sie auf die Symbole klicken.
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Wissenschaft
Meteoriten- und Impaktforschung

Im August 1970 führte die NASA für die Astronauten der Apollo 14 und 17 Missionen ein geologisches Feldtraining im Rieskrater durch.


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Landwirtschaft und Industrie
Wirtschaftlicher Reichtum im Ries

Der geologische Untergrund, die Böden und das Klima machen das Ries zu einer Kornkammer Bayerns. Seit dem 6. Jahrtausend v. Chr. wird im Ries Getreide angebaut. Ab etwa 1800 kamen Hackfrüchte und Futterpflanzen hinzu. (www.rieser-bauernmuseum.de)


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Geologie und Architektur
Geologie und Baukunst

Der beim Einschlag des Meteoriten entstandene Suevit wurde bereits von den Römern im Ries und Umgebung zu Bauzwecken verwendet. Besonders im Mittelalter bildete er das Baumaterial für zahlreiche Gebäude in Nördlingen und seiner Umgebung. So ist z.B. die St.-Georgs-Kirche mit dem „Daniel“ nahezu ganz aus Suevit gebaut. Ob das Baumaterial aus nur einem Steinbruch stammt (Altenbürg), ist nicht gesichert.

Neben sakralen Gebäuden wurde das Gestein aber auch zur Errichtung profaner Bauten im Umkreis seiner natürlichen Vorkommen verwendet. In Nördlingen sind Teile des Rathauses, das Baldinger Tor und andere Torbauten sowie Teile der Stadtbefestigung (z.B. Berger Mauer) aus diesem Gesteinsmaterial errichtet. In der Umgebung Nördlingens wurde Suevit unter anderem auch auf der Harburg und an vielen Dorfkirchen verbaut. In München kann man heute den Baustein Suevit am Deutschen Museum und am ehemaligen Königlich Bayerischen Verkehrsministerium bewundern. Selbst in Berlin findet man einige Gebäude, die aus Suevit errichtet wurden.


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