Der Burgberg Heroldingen: Entstanden durch den Impakt, geformt durch den bronzezeitlichen Menschen
Dr. Johann Friedrich Tolksdorf (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)
Bevor die Wörnitz bei Harburg das Ries verlässt, durchfließt sie zunächst eine durch den Rollenberg im Südwesten und den Heroldinger Burgberg im Nordosten gebildete Engstelle (Abb. 1). Während das kleinere und heute weithin sichtbare Plateau des Rollenbergs bereits seit Jahrzehnten intensiv erforscht worden ist (Faßbinder u.a. 2013), zeigen jüngste Maßnahmen am Heroldinger Burgberg, welchen monumentalen Eindruck diese markante Landschaftssituation zur Urnenfelderzeit (1200-800 v. Chr.) geboten haben muss (Tolksdorf u.a. in Vorbereitung).
Seine Grundform mit steilen Hängen und einem fast ebenen Plateau verdankt der Heroldinger Burgberg dem Ries-Impakt, durch dessen Wucht eine Scholle der Albtafel verschoben wurde. Anders als beim heute weitgehend unbewaldeten Rollenberg zeigt sich die heute unter Wald verborgene Struktur des Heroldinger Burgbergs erst aus der Nähe nach einem Aufstieg (Krahe 1979; Knoll 2023). Denn eine rund 2 km lange Wallstruktur umgibt das gesamte Bergplateau. In der Neuzeit wurden diese Wallstrukturen immer wieder durchbrochen, um einen Wasserabfluss aus den Waldparzellen zu gewährleisten. Die damit fortschreitende Erosion im Bereich der Durchstiche führte dazu, dass aus dem regelmäßig abrutschenden Wallmaterial immer wieder vorgeschichtliche Scherben aufgesammelt und gemeldet wurden. Um diesen fortschreitenden Verfall des Denkmals einzudämmen, sicherte im Jahr 2023 ein ehrenamtliches Projekt des Historischen Vereins Nördlingen e.V. in Kooperation mit dem Verein Rieser Kulturtage e.V. die freiliegenden Wallschichten. Unterstützt wurden diese Sicherungsarbeiten durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und vom Eigentümer der Waldparzelle. Hierzu wurden die Wallschichten mit einem Geotextil abgedeckt und durch eine Betonrinne ein weiteres Einschneiden der Erosion verhindert (Fig. 2).
Im Zuge der Sicherungsarbeiten wurden Teile des Wallaufbaus sichtbar, die erstmals eine nähere Datierung dieser monumentalen Befestigungsanlage erlauben. Während nach außen eine Mauerfront bestanden haben dürfte (Fig. 3), war der innere Bereich wahrscheinlich rampenartig angeschüttet und bildete damit einen Wehrgang. Eine Zone mit verstürztem Material und eine erneute Anschüttung legen nahe, dass eine zweite Ausbauphase erfolgte. Verkohltes Eichenholz und ein verkohlter Getreidevorrat deuten auf einen Beginn der Siedlungstätigkeit spätestens im 15. Jahrhundert v. Chr. hin. Botanische Reste und Funde aus der aufgehenden Wallschüttung belegen dann eine weitere Ausbauphase im 14./13. Jahrhundert, wahrscheinlich am Beginn der als Urnenfelderzeit bezeichneten Epoche. Hierbei wurde erneut eine Mauerfront mit dahinterliegender Anschüttung errichtet. Die Menge an urnenfelderzeitlichen Scherben aber auch typischem Siedlungsmüll wie Knochen von geschlachteten Nutztieren (Rind, Schwein, Schaf bzw. Ziege) legt nahe, dass hierfür Erdmaterial aus einer Siedlungszone verwendet wurde. Die Datierung dieser jüngsten Ausbauphase in die Epoche des 13.-9. Jahrhunderts v. Chr. passt auch zu älteren Funden (Gebhard 2010).
Da für die rund 2 km lange Anlage eine erhebliche Materialmenge (Erde, Steine, Holzbalken) und Arbeitsleistung aufgewendet werden musste, stellt sich die Frage, wie eine solche Bauleistung geplant und umgesetzt werden konnte. Die Befestigungsanlage dürfte in der Urnenfelderzeit weithin sichtbar gewesen sein und mit dem gleichzeitig als Opferplatz genutzten Rollenberg auf der anderen Seite der Wörnitz eine markante Landschaft am Ende der Bronzezeit dargestellt haben. Das Ende der Anlage auf dem Heroldinger Burgberg bleibt unklar, zumindest gibt es auf Grundlage der Funde keine Hinweise auf jüngere Nutzungen. Mit ihrer bronzezeitlichen Datierung reiht sich die Anlage auf dem Heroldinger Burgberg nun in ein Netz aus Befestigungen dieser Epoche in Süddeutschland ein (Ostermeier 2012)
Prof. Dr. Christian Köberl ist ordentlicher Professor (im Ruhestand) für Geowissenschaften an der Universität Wien und war von 2010 bis 2020 Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien. 2004 wurde er zum korrespondierenden und 2006 zum wirklichen Mitglied der ÖAW gewählt, wo er Mitglied verschiedener Gremien war bzw. ist. Köberl hat bisher über 550 „peer-reviewte“ wissenschaftliche Artikel, 23 Bücher und über 800 Konferenzbeiträge veröffentlicht. Er ist Träger vieler nationaler und internationaler Auszeichnungen, z.B. die Barringer-Medaille der Meteoritical Society, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, der „Distinguished Service Award” of the Geological Society of America -- und der Kleinplanet 15963 wurde ihm zu Ehren "Koeberl" genannt. Seine Forschungen befassen sich mit Meteoritenkratern auf der Erde und im Sonnensystem, Isotopengeochemie, und ähnlichen Themen. Er war Projektleiter bei internationalen Tiefbohrprojekten u. a. in Meteoritenkratern in den USA, Russland und Ghana.