header-home.jpg

Alamannischer Reihengräberfriedhof Kirchheim am Ries

Alamannischer Reihengräberfriedhof
Alamannischer Reihengräberfriedhof

Die Friedhofskapelle St. Martin gilt als eine der Urkirchen des Rieses und steht vielleicht an der Stelle eines römischen Tempels. 1981 entdeckte man einen römischen Weihealtar. Den Sockel nach oben gekehrt, fand er noch in christlicher Zeit Verwendung. Auf dem heutigen Schulgelände dehnt sich ein alamannischer Reihengräberfriedhof mit etwa 1000 Bestattungen des 6. – 8. Jh. aus. Alamannenmuseum im Foyer der Schule (Besichtigungen nach Rücksprache unter Tel. 07362/7430)

Das alamannische Gräberfeld war am südlichen Hang einer allseitig abfallenden Weissjurakuppe angelegt worden, genau 300 m östlich der Jacobskirche, die durch eine leichte Senke von diesem getrennt ist. 1961 wurden bei Ausschachtungsarbeiten für den Neubau einer Schule die ersten alamannischen Gräber angeschnitten. In den Jahren 1962-1965 konnte das gesamte Gräberfeld freigelegt werden. Im Verlauf der Ausgrabung wurde ein grosses Reihengräberfeld, ein kleinerer Bestattungsplatz und ein Adelsbestattungsplatz mit Pferdegräbern festgestellt. Zwischen den beiden ersteren scheint keine Verbindung bestanden zu haben. Weder die Grabungsbefunde noch die später angelegten Kanalisationsgräben ergaben Hinweise auf eine durchgehende Belegung. Der Adelsbestattungsplatz ist deutlich durch einen unbelegten Streifen von diesem abgesetzt. Insgesamt wurden 518 Gräber festgestellt, von denen 480 planmässig untersucht werden konnten. Unter ihnen sind neun Doppelgräber, entweder von Mann und Frau, von Mutter und Tochter oder von zwei Männern, wobei hier jeweils ein älterer mit einem jüngeren Mann zusammen bestattet war. Auch in dreien der vier Pferdegräber waren jeweils zwei Pferde beigesetzt worden. Alle Gräber waren als einfache Erdgräber angelegt, die sich nur durch ihre Grösse und Holzeinbauten unterschieden. Wenn sich auch von letzteren kaum Reste erhalten haben, so kann aus der Anordnung der Funde aber geschlossen werden, dass in den grossen Gruben der Adelsgräber einst richtige Holzkammern gestanden haben. Der Anteil der gezielt beraubten Gräber ist gering; die Mehrzahl der Störungen kam bei der Anlage neuer Gräber durch Überschneidungen oder völlige Zerstörung alter Gräber zustande. Das Gräberfeld war teilweise sehr dicht belegt; an einer Stelle kommen bis zu sieben Gräber übereinander vor. Gezielte Plünderungen finden sich allerdings bei den Gräbern des Adelsbestattungsplatzes, wo von den hier liegenden 37 Gräbern (inklusive Pferdegräber) allein 16 in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Aus den 480 untersuchten Gräbern stammen sieben Pferde und 570 menschliche Individuen. Durch die Kombination von archäologischer und anthropologischer Geschlechtsbestimmung konnten 212 Männer, 178 Frauen, 22 Knaben und 41 Mädchen bestimmt werden, was eine Aufklärungsquote von 79% entspricht. Bei 430 der 453 ihrem Geschlecht nach bestimmten Toten konnten die Gruppierungen des Sterbealters angegeben werden. Im Alter zwischen 20 und 30 Jahren erreicht die Sterblichkeit ihren absoluten Höhepunkt, wobei vielleicht interessant ist, dass die Frauensterblichkeit nicht wesentlich höher liegt als die der Männer. Lediglich Mädchen zwischen 6 und 15 Jahren scheinen eine höhere Sterblichkeit zu besitzen als gleichaltrige Knaben. Die Belegung des grossen Gräberfeldes und des kleineren Bestattungsplatzes setzt um die Mitte des 6. Jhs. mit einigen wenigen Gräbern ein. Sie enthalten vergoldete S-Fibeln, eine bronzene Scheibenfibel mit Zellenwerk, Ketten aus Amethyst- und Überfangperlen, eine Schnalle aus Weissmetall bzw. eine bronzene Schilddornschnalle sowie einen Sturzbecher mit konischer Wand. Im Gegensatz zu diesen und anderen reich ausgestatteten Männergräbern sind die entsprechenden Frauengräber nur bescheiden mit Beigaben versehen, dabei dominierent der Perlen- und Gehängeschmuck. Die grösste Belegungsdichte erreichte das grosse Gräberfeld um die Mitte des 7. Jhs. Im dritten Viertel des 7. Jhs. ist eine führende Sippe dazu übergegangen, sich auf einem separaten Platz beisetzen zu lassen, der zwar nahe des grossen Gräberfeldes lag, jedoch deutlich von diesem abgesetzt ist. Es fällt auf, dass inmitten der stark gestörten Adelsgräber ein überaus reich ausgestattetes Grab völlig unberührt geblieben ist. In ihm war eine adlige Dame im Alter zwischen 20 und 30 Jahren beigesetzt worden, die nach Ausweis vieler der mehr als 90 Fundgegenstände eine Christin gewesen sein muss. Es ist berechtigt, die Kirchheimer Dame der sozialen Oberschicht zuzuordnen. Wir dürfen wohl mit Recht annehmen, dass wir es in Kirchheim nicht nur mit einer bäuerlichen Siedlung zu tun haben, sondern mit einem Herrensitz des einheimischen Adels. Dies würde auch die Häufung unterschiedlich gut ausgestatteter Krieger- und späterer Reitergräber erklären, die auf eine erhebliche Differenzierung innerhalb des Standes der Freien hindeuten.

Karte

Info-Adresse

Gemeinde Kirchheim am Ries
Auf dem Wört 1
73467 Kirchheim am Ries
Germany
Tel.: +49 7362 95690-0
Fax +49 7362 95690-20